Mit heimischem Bio-Superfood einen neuen Markt aufgebaut – Räss Wildbeeren

Welches ist die innovative landwirtschaftliche Leistung?

Sie suchen einen einzigartigen Ausblick in Europa? Den finden Sie auf unserem Familienbetrieb im idyllischen Zürcher Weinland. Wer bei uns aus dem Fenster in die träumerische Landschaft hinausspäht, sieht nicht nur knallige, sondern auch seltene und fast vergessene Beeren, wie die orange-roten Gojis, dunkelviolette Aroniabeeren, Maibeeren, Heidelbeeren, orange Sanddornbeeren und viele weitere bekannte und aussergewöhnliche Beeren. Heute bezeichnet man sie aufgrund ihrer Gesundheitsvorteile zu Recht als Superfoods.
Der Startschuss dieser umfassenden innovativen Neuausrichtung des Betriebs fiel vor drei Jahren, mit dem Ziel sich strategisch neu zu positionieren mit dem Fokus auf eine ökologische Differenzierungsstrategie mit dem Ziel sich in der Nische des Bio-Beerenmarktes zu profilieren und Schweizer Kundenbedürfnisse im Bereich Bio-Beeren und Superfood durch eine regionale Produktion zu decken.
Mit dem Anbau der ersten Schweizer Bio-Gojibeeren für den Frischverzehr zählen wir zu den Pionieren in Europa, denn bisher wurde der Anbau als zu schwierig und als zu wenig ausgereift betrachtet. Entsprechend intensiv war die Ausarbeitung eines funktionierenden Konzeptes. In Zusammenarbeit mit einer Bio-Baumschule wurden die Grundlagen für eine Selektion klimatisch angepasster Bio-Goji Sorten erarbeitet und 2014, nach dreijährigem Sortenversuch, der Schritt in die Ungewissheit gewagt und eine der ersten Erwerbsanlage in Europa auf unserem Familienbetrieb angelegt.
Auch bei weiteren Beerenarten auf unserem Betrieb, wie Aronia und Maibeeren (Haskap), Felsenbirnen (Saskatoon) konnte praktisch kein Anbau-Know-how in der Schweiz und in Europa gefunden werden. Entsprechend intensiv waren die Abklärungen und Vorbereitungen die wir zu treffen hatten. Es folgte ein intensiver Austausch mit europäischen und, hinsichtlich Maibeeren und Felsenbirnen, auch mit kanadischen Institutionen.
Demzufolge treten wir mit den Gojibeeren, Maibeeren, Felsenbirnen und Aroniabeeren mit äusserst innovativen und vor allem europaweit einzigartigen Produkten auf den Markt.
Nicht nur im Anbau, auch in der Vermarktung sind wir bestrebt, neue Wege zu gehen und zu erschliessen. So werden die gesamten Beeren sowie alle deren Nebenprodukte vermarktet. Beispielsweise werden bei den Aroniabeeren die Beeren getrocknet oder zu Saft verarbeitet und dessen Trester getrocknet und wieder als Rohstoff verkauft für beispielsweise Teeproduzenten oder als Nahrungsergänzungsmittel. Unsere Produkteideen reichen sogar über die klassischen Produkte hinaus, so werden bestimmte Pflanzenteile von unseren Beerenpflanzen auch für die Alternativmedizin eingesetzt.
 
SimonChristophRäss,1jährigeCassis
 

Berücksichtigung heutiger und zukünftiger Konsumbedürfnisse

Das Ernährungsverhalten sowie das Interesse haben sich über die letzten Jahre deutlich gewandelt. Im Vergleich zu früher, wo der Bedarf an Grundnahrungsmitteln beträchtlich höher war, stehen heute zunehmend Ernährungstrends, Gesundheit, Genuss, Convenience, Ökologie oder Sicherheit im Vordergrund. Diese veränderten Bedürfnisse der sensibilisierten Konsumenten verlangen von den Lebensmittelherstellern und vorgelagerten Produzenten innovative, den Anforderungen angepasste Produkte.
So hat der Functional und Health Food auch die Biobranche erreicht. Mit dieser Entwicklung verbunden erblühen sogenannte Superlebensmittel (Superfoods wie Goji oder Aronia). Diese zeichnen sich durch einen hohen Gehalt an Nährstoffen, Mineralstoffen oder Vitaminen aus und gelten per se als äusserst gesund. Festzustellen ist, dass der Trend zunehmend in Richtung Superfoods geht und die Nachfrage nach Functional Food ablöst.
Gemäss Frick vom Gottlieb-Duttweiler-Institut (2015. Abgerufen am 07.04.2016 von Think Tank Studien: http://www.gdi.ch/de/Think-Tank/Studien/010151/Megatrends-Plaene-fuer-eine-unplanbare- Welt) sollen auch fantastische Prognosen wie die Wirkungskraft von Superfood die Konsumenten neugierig und offen für Innovationen machen. Folgernd wagt unser Betrieb Räss Wildbeeren den Vorstoss in diese Nischen. Denn durch die Individualisierung, die Spezialisierung und auch durch die Flexibilisierung breiten sich gesellschaftliche Bewegungen immer mehr in Nischen aus. Dies hat zur Folge, dass Mikrotrends (Trends in einzelnen Nischen) an Bedeutung gegenüber Megatrends in der gesellschaftliche Masse gewinnen. Zudem stehen die Landwirtschaftsbetriebe in der Schweiz unter verstärktem Wettbewerbs- und Innovationsdruck und müssen immer höhere Verbrauchererwartungen decken und zusätzlich auf neue gesellschaftspolitische Forderungen reagieren.
 
IMG_0885
 
Basierend auf diesen gesellschaftlichen Entwicklungen kann die wachsende Nachfrage nach biologischen Produkten und die aktuellen politischen Bemühungen, den biologischen Landbau zu fördern, eine grosse Chance für uns Schweizer Biobeerenproduzenten darstellen. Aufgrund der vorliegenden Situation orientiert sich die Räss Wildbeeren explizit an den Bedürfnissen der potenziellen Kunden und wir gehen weg von der ausschliesslichen Konzentration auf das Produkt. Weiche Aspekte wie Genuss, Nähe, Vertrauen und biologische Produktion werden für uns zu zentralen marketingtechnischen Schlüsselbegriffen, womit wir uns gegenüber Importprodukten positionieren. Denn keine von uns angebaute Beerenart geniesst in der Schweiz ein Grenzschutz, womit wir in direktem Wettbewerb mit dem Ausland stehen.
Der Markt wächst auf interessantem Niveau und die Kunden verlangen bei den Lebensmitteln vermehrt eine biologische Produktion, verbunden mit Regionalität und Frische.
 

Nachhaltigkeit

Der Ökologie kommt auf unserem Betrieb eine spezielle Bedeutung zu. Wie erwähnt, verfolgen wir eine klare ökologische Differenzierungsstrategie. Entsprechend richten wir uns auf dem Markt ökologisch innovativ aus und verschaffen unseren Produkten dadurch eine USP (unique selling proposition). Unsere regionalen und biologischen Beeren verkörpern dies beispielhaft.
Unsere Produkte sollen nicht nur gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe enthalten, um ihren Mehrwert bezüglich Gesundheit und Ökologie zu beweisen. Unsere Bio-Beeren-Produkte sind im umfassenden Sinne besser für Mensch und Ökologie und nicht nur für einem persönlich. Entsprechend wollen wir mit unseren Produkten eine ganzheitliche Assoziation als holistisches Gesundheits- und Ökologieverständnis auslösen. Dies spiegelt sich auch in der Produktionsmethode, der Verarbeitungsmethode, der verwendeten Verpackung, usw.
Unsere Unternehmensstrategie zielt bewusst auf eine langfristige Beständigkeit und Positionierung. Durch langfristiges Engagement, hohes Qualitätsverständnis und hoher Leistungsfähigkeit und einer hohen Sozialverträglichkeit wird in einen neuen Abschnitt der Unternehmensgeschichte eingestiegen.
 

Beitrag an eine zukunftsorientierte Schweizer Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

„Die wichtigsten Innovationen sind jene, die das Denken verändern“ Entsprechend diesem Zitat von Quadbeck-Seeger (1939) muss man bereit sein, kalkulierte Risiken einzugehen. Unser Projekt soll den Landwirten weit über unsere Region hinaus zeigen, dass sich Innovation, Unternehmertum und auch Mut in der Landwirtschaft lohnen. Es soll den landwirtschaftlichen Unternehmern zeigen, dass es auch im heutigen schwierigen Umfeld (Frankenstärke, Druck auf Produktepreise, Marktöffnung, Überproduktion Milch, Ressourcenknappheit, geringe Flächenmobilität, Klimawandel, etc.) innovative Projekte erfolgreich realisiert werden können. Dabei soll der Fokus nicht ausschliesslich auf Produktinnovationen gelegt werden, sondern auch auf Innovationen in der Wertschöpfungskette oder in der Kostenstruktur.
Es sollen mehr Landwirte in der Region das schwierige Umfeld als Chance wahrnehmen. Konkret soll unser Projekt auch Nachahmer finden – also Landwirte die es wagen, neue Wege zu gehen. Darüber hinaus soll mit unserem Projekt den Landwirten in der Region gezeigt werden können, dass die künftigen Herausforderungen durch Innovationen in der Landwirtschaft bewältigt werden können. Entsprechend sehen wir unser Projekt als Beitrag zur Bewältigung bevorstehender Herausforderungen.
Wir stellen dabei heute bereits fest, dass unser Vorhaben von vielen interessierten Landwirten aufmerksam und positiv wahrgenommen und mitverfolgt wird.
Mit der Erstellung unserer Beerenanlagen treten wir in einen Nischenmarkt. Aus diesem Grund erfolgte unsere innovative Neuausrichtung weder auf Kosten, noch Beeinträchtigung anderer Landwirtschaftsbetriebe in der Schweiz. Durch die positive Wahrnehmung unseres Projekts und Unternehmertums leisten wir einen beachtlichen Beitrag zu einem positiven Bild der Landwirtschaft in der Region, was schlussendlich allen Landwirten zugute kommt.

 

Regionale Produktions- und Vermarktungsnetzwerke

Bereits letztes Jahr konnten wir mit der ersten Aroniaernte äusserst positive Erfahrungen sammeln. Wir traten der Interessengemeinschaft (IG) Aronia bei und möchten aktiv auch Kleinstaroniaproduzenten in der Produktion und Ernte unterstützen. So pflegen wir einen offenen Informationsaustausch und unterstützen andere Landwirte bei ihrer Ernte.
Dies machen wir aus der Überzeugung heraus, dass durch einen intensiven Austausch mit anderen Produzenten die Produktion und Qualität der Beeren stark gefördert werden kann.
Durch die komplette Verwertung der Beeren, inkl. aller Nebenprodukte (Bspw. Aronia mit Saft, getrocknet, Tee, Nahrungsergänzung) konnten wir ein einmaliges Netzwerk an Produzenten und Verarbeiter aufbauen.
Bereits diesen Sommer konnten wir erste Erfolge und Erfahrungen verbuchen. So wurden unsere Produkte bereits im ersten Ertragsjahr im Frischmarkt in der Migros und Coop mit Cassis, Johannisbeeren, Heidelbeeren ins Sortiment mitaufgenommen. Dies motiviert uns, den Markteintritt mit unseren frischen und europaweit einzigartigen Bio-Gojis bei Migros und Coop, welcher Mitte August 2016 erfolgreich realisiert werden konnte.
Durch Auslandreisen und den Austausch mit ausländischen Produzenten, Beratern und Forschungsinstitutionen gelang es uns, ein einzigartiges Netzwerk in Europa aufzubauen.
 

 
Simon Räss

Jan Ramseyer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Unsere Partner