Winterswiler Quinoa, mehr als nur ein „Versuch“

Quinoa, auch bekannt unter den Namen Andenkorn oder Inkareis, schlägt zur Zeit hohe Wellen. Gross geworden in den Anden, der selben Kinderstube wie die Kartoffel, hat Quinoa in Teilen Südamerikas seit mehreren Jahrtausend grosse Bedeutung. Auch in Europa steigt zur Zeit das Interesse an den winzigen Körnern. Und das rasant. Die Folgen davon sind jedoch nicht nur positiv. So steigen die Preise für Quinoa auf den lokalen Märkten Südamerikas, wodurch es für die Bevölkerung immer weniger erschwinglich wird.
 
Wie die Kartoffel, fühlt sich der Quinoa auch auf europäischem Boden wohl. So wird das Pseudogetreide in Frankreich, England und Deutschland bereits in „grösserem“ Rahmen angebaut und verkauft.
In der Schweiz ist jedoch das Angebot an regional produziertem Quinoa, trotz grosser Nachfrage praktisch nicht vorhanden. Lediglich wenige Exoten bauen seit kurzem in der Schweiz Quinoa an. So auch Niklaus Ramseyer aus Winterswil bei Schüpfen BE, der gemeinsam mit seinem Bruder und seinem Vater auf ihrem Landwirtschaftsbetrieb seit April 2016 Quinoa zu Versuchszwecken im Rahmen einer Studentischen Arbeit der HAFL Zollikofen anbaut.
 

Warum wird trotz hoher Nachfrage nicht mehr Schweizer Quinoa produziert?

Die Etablierung einer fremden Kultur in einer neuen Region braucht viel Zeit. Faktoren wie Klima, Sorten, Boden, sowie die gesamte Anbautechnik oder die politischen Rahmenbedingungen spielen dabei eine wichtige Rolle. Den Landwirten in der Schweiz fehlt jedoch momentan noch viel Wissen über einen langfristig lohnenden Anbau. Die Skepsis ist daher noch gross.
 

Was wird auf dem Landwirtschaftsbetrieb in Winterswil zur Förderung des Schweizer Quinoa-Anbaus gemacht?

Im April 2016 wurden auf einer Fläche von sechs Aren verschiedene Quinoasorten angebaut und verglichen. Je eine Sorte aus Frankreich, Österreich und Holland wurden dazu angepflanzt.
 
Versuchsfeld 01.07.16Versuchsfeld im Juni 2016
 
Versuchsfeld 1 26.08.2016Versuchsfeld im August 2016
 
Dabei wurden die Sorten auf ihre Eignung für den Anbau in Winterswil untersucht. Faktoren wie Herbizidverträglichkeit, Unkrautunterdrückung, Frosttoleranz und Abreifverhalten wurden dokumentiert und ausgewertet.

Nun geht der Versuch in die 2. Runde. Im nächsten Frühling wird auf einer rund 10 Mal so grossen Parzelle erneut Quinoa zu Versuchszwecken angebaut. Die Ziele des nächsten Anbaus sind mehr über den maschinellen Anbau und über die standortgerechte Düngung der Pflanzen mit Nährstoffen zu Erfahren.
 

In welcher Hinsicht dient der Anbau von Quinoa in Winterswil dem Anbau von Quinoa in der Schweiz und somit der Schweizer Landwirtschaft?

Durch den praktischen Anbau in Winterswil, verbunden mit Versuchen und Beobachtungen sowie derer Dokumentation und Auswertung können wichtige Erkenntnisse für den Anbau von Quinoa in der Schweiz gewonnen werden. Eine nachhaltiger Anbau, der sowohl ökonomisch wie auch ökologisch positiv dasteht wird dadurch realistischer. Das Ziel, die Nachfrage nach Schweizer Quinoa zu decken rückt somit etwas näher. Weiter steht den Landwirten in Zukunft eine neue interessante Ackerkultur zur Verfügung, die zum Beispiel anstelle der immer stärker unter Druck geratenden Zuckerrüben, in den Ackerbau aufgenommen werden kann.
 
Titicaca Reife

Jan Ramseyer

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